Über glitzernde Wogen auf den Seen der Mark Brandenburg

Oder: Wer braucht schon Erdbeertorte, wenn er Rudern kann?

Wer einmal die Stille eines Morgens auf dem Ruppiner See erlebt hat,
weiß, warum Rudern mehr ist als nur Sport – es ist eine Einladung, die
Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Zwischen preußischer Geschichte, idyllischer Natur und der gemeinsamen Anstrengung auf den Rollsitzen liegt das Geheimnis eines wunderschönen Ruderwochenendes.
Hier ist unser Rückblick auf drei Tage Wanderrudern in der Mark Brandenburg:

Nachdem unsere Abfahrt fast vereitelt wurde und Henning, der Besonnene, uns kurz vor knapp noch zwei Schiffe der heimischen Flotte sichern konnte, ging es am Donnerstagnachmittag, den 4. Juni, auf den Weg in die preußischste aller preußischen Städte – zur brandenburgischen Perle Neuruppin.

Dort angekommen wurden nach einem ausgiebigen griechischen Mahl ein Zeltlager errichtet und die Mannschaftsräume bezogen.

Die Nachtruhe brachte dem einen mehr, dem anderen weniger Erholung, doch das Frühstück stärkte alle 10 Ruderrecken und -reckinnen ausreichend für den ersten anstehenden Teil der Wanderfahrt. Unsere Flotte bestand aus dem „Troll“ und der Neuruppiner Leihgabe „Lindow“. Die heimische „Undine“ bot leider nicht ausreichend Platz für alle Recken und blieb wehmütig an
Land zurück.

Gegen 09:00 Uhr stachen wir frohgemut in See. Unser Tagesziel war die Stadt Lindow am Gudelacksee. Wir ließen die Doppeltürme der Klosterkirche St. Trinitatis hinter uns und querten den Ruppiner See gen Norden. Das Wetter? Ein Gedicht aus Sonne, Wolken und mildem Wind, während wir einsam über die glitzernden Wogen glitten. Vom See bogen wir in den Rhin, der uns auf spiegelglattem Wasser bis zur Alt Ruppiner Schleuse trug.

Dort nahm uns ein freundlicher Schleusenwärter in Empfang. Ein Bier diente als Schleusengroschen und sicherte uns nicht nur die sofortige Passage, sondern auch die Wohlgesonnenheit des Wärters für die am nächsten Tag geplante Schleusung auf dem Rückweg. Hatten wir auf dem Ruppiner See noch Unterwasser, so verschafften uns die zwei gewonnenen Höhenmeter nun spürbar Oberwasser.

Im ruhigen Schlag ging es weiter über den Molchowsee vorbei an Haubentauchern, Enten und Anglern zum Tetzensee Richtung Stendenitz. Bei einer kurzen Pause an einem lang ersehnten Steg vor Stendenitz folgten die einzelnen Besatzungsmitglieder dem Ruf der Wildnis. Nach kurzem Strecken der Glieder wurden erneut die Positionen auf den Rollsitzen bezogen. Es folgte die letzte Etappe vor der Mittagspause vorbei an Stendenitz über den Zermützelsee in das
Rottsteinflies und über den Tornowsee zur Boltenmühle.

Nachdem dort alle Recken erfolgreich der Boote entstiegen waren, folgte ein ausgiebig, deftiges Mahl in der Boltenmühle mit anschließender Verdauungspause im Sonnenschein.

Erholt und gestärkt bestiegen wir die Boote und fuhren zurück über den Tornowsee, den Zermützelsee und folgten dem Rhin vorbei an Seerosen- und Teichrosenfeldern, brütenden Schwänen, Haubentauchern, Stockenten, schilfgesäumtem Ufer und Erlenwäldern zum Möllensee. Dort fuhr ein Teil der Flotte den Möllensee unter den Augen des kreisenden Schwarzmilans in einer Zusatzrunde bis zum Ende aus, während sich der andere Teil der Flotte für die direkte Durchfahrt auf kürzestem Wege entschied.

Über den Rhin befuhren wir den letzten See der Tagesetappe und querten den
Gudelacksee vorbei an der Insel Werder und der von Möwen besetzten Kormoraninsel nach Lindow. Am Campingplatz Lindow hatten wir unser Tagesziel nach 37 Kilometern erreicht. Am
Anlegesteg des Campingplatzes entstiegen wir etwas erschöpft, aber auch angefüllt mit der herrlichen Ruhe und wunderschönen Eindrücken der Natur den Booten. Ein paar mutige Recken wateten ins Wasser, um die Boote mit der restlichen Mannschaft gemeinsam sicher an Land
abzulegen. Gegen eine Parkgebühr konnten diese nun bis zum nächsten Morgen dort auf uns warten.

Ein uns wohlgesonnener Busfahrer – selbst ein Ruderkamerad – chauffierte uns zurück zum Verein nach Neuruppin. So kehrten alle zufrieden zurück und entspannten sich wahlweise mit Einkauf, Grillen oder einem Bad im See bis zum einsetzenden abendlichen Regenguss. Im Schein des Regenbogens über dem Ruppiner See verspeisten wir vor dem Panoramafenster des schönen Clubhauses unser Grillgut und ließen den Abend in geselliger Runde ausklingen.

Der nächste Morgen begrüßte uns mit spiegelglattem Wasser, während die Landschaft noch wie in einem Aquarell im Morgennebel schlummerte. Nur zaghaft bahnte sich die Sonne ihren Weg
durch das milchige Grau. Als sich der Schleier schließlich hob, enthüllte er Stück für Stück den strahlend blauen Himmel und die stolzen Doppeltürme der Klosterkirche Neuruppin.

Nach ausgiebigem Frühstück fuhren wir mit dem Bus nach Lindow und bestiegen dort gegen 10:00 Uhr unsere Boote. Das Flöten des Pirols und das Rattern der Schilfrohrsänger begleiteten uns auf unserem morgendlichen Ausflug über den Vielitzsee. Der dringende Hunger
nach Erdbeertorte mit Schlagsahne konnte hier leider nicht gestillt werden, aber die Ruhe und Naturidylle haben uns diesen Umweg zweifelsohne versüßt.

Der restliche Weg dieser Tagesetappe führte uns auf demselben Weg des Vortages zurück über Gudelacksee, Möllensee, Rhin, Zermützelsee, Tetzensee und den Molchowsee zur Schleuse
Alt Ruppin. Dort angekommen wurden wir von mittelalterlichen Klängen mit einem herrlichen Blockflötenkonzert der Friedrichshagener Ruderflotte in Empfang genommen. Im Ruppiner See
angekommen war es nicht mehr weit. Mit Blick auf die Doppeltürme der Klosterkirche kehrten wir zurück in den Ruderverein Neuruppin. Nach 38 Kilometern labten wir uns am Abend nach einem erfrischenden Bad im See an unseren Speisen auf der Terrasse des Clubhauses.

Am Sonntag, den 7. Juni – dem letzten Tag der Wanderfahrt – rechneten wir mit erschöpften Mannschaften und müden Knochen, doch weit gefehlt. Mancher Ruderrecke lief in der Morgenluft
noch einmal zur Hochform auf und wollte den Ausflug auf dem Ruppiner See Richtung Altfriesack als Gelegenheit für eine Langstreckenregatta nutzen. Vorbei an Fischernetzen, Fischadler und
Wasservögeln brausten wir noch einmal 19 Kilometer über die glitzernden Wogen des Ruppiner Sees, bis wir zurück im Bootshaus die Boote schweren Herzens wieder reisefertig machten. Nach einer Stärkung traten wir die Rückreise nach Dresden an, beseelt von einem wunderschönen Wanderruderwochenende und dem Wunsch, alsbald in das Ruppiner Seenland zurückzukehren.

Wenn am Ende eines solchen Wochenendes die Boote wieder in ihren Halterungen liegen, bleibt mehr zurück als nur müde Muskeln und die Erinnerung an zurückgelegte Kilometer. Es ist das Gefühl von Gemeinschaft und Teamgeist, das leise Rauschen des Wassers im Ohr und die Gewissheit, dass das nächste Ziel bereits in unseren Gedanken Gestalt annimmt.

Vielen Dank an Henning und Dieter für die wunderbare Organisation und an alle Recken für ein unvergessliches Ruderwochenende.

Katrin

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